Rekordlauf gegen Kinderdemenz – Heros 100 im Rieth-Sportplatz in Erfurt
Von Annett Kletzke, Lokalreporterin in Sömmerda 21.09.2026
Die 100-Kilometer-Distanz des Heros-Spendenmarsches hat Matthias Sack aus Sömmerda bereits mehrfach absolviert. Am vergangenen Wochenende stellte er sich auf dem Sportplatz an der Essener Straße in Erfurt erstmals mit einer Schubkarre dieser Herausforderung. Sein Ziel: den im Juni aufgestellten Weltrekord im Schubkarrenschieben über 100 Kilometer zu brechen. Nach eigenen Angaben legte der Geschäftsführer der Ersa Bau GmbH in 21 Stunden und 44 Minuten insgesamt 116,07 Kilometer zurück und übertraf damit die bisherige Bestmarke.
Sack räumt ein, dass die Herausforderung anstrengend gewesen sei und der Kopf eine große Rolle gespielt habe. Nach dem Lauf fühle er sich jedoch „so gut wie nie“. Füße und Beine hätten gut mitgemacht, lediglich der untere Rücken sei durch das Schieben der Schubkarre zeitweise stark angespannt gewesen. Eine Wiederholung schließt er nicht aus: „Wenn mich heute einer fragt, ob ich noch einmal mitlaufe, sage ich Ja.“
Veranstalter und Eventsportler Jan Hähnlein „zieht den Hut“ vor Sacks Leistung. Auch er hatte sich einer besonderen Herausforderung gestellt: Hähnlein wollte die 100 Kilometer in weniger als 20 Stunden bewältigen und dabei ein Klapprad schieben. Nach 19 Stunden und 58 Minuten erreichte er sein Ziel und stellte damit ebenfalls einen Rekord auf.
Doch beim „Heros 100“ geht es nicht allein um Kilometer und Bestmarken. Mit der Veranstaltung werden Spenden für die NCL-Stiftung gesammelt, die sich für die Erforschung der seltenen und bislang unheilbaren Kinderdemenz einsetzt. Vor Ort übergab der Round Table 211 Erfurt-Thüringen einen Spendenscheck über 2210 Euro. Insgesamt kamen nach Angaben Hähnleins rund 45.000 Euro zusammen.
Seine Wurzeln hat der „Heros 100“ im Landkreis Sömmerda. Ursprünglich führte der Spendenmarsch rund um Frömmstedt. Seit drei Jahren setzt Hähnlein auf wechselnde Strecken, um einen größeren Teilnehmerkreis anzusprechen. So verlief die Route bereits rund um Erfurt und bis zu den Drei Gleichen. Diesmal wurde erstmals auf einem Rundkurs direkt auf der Laufbahn gelaufen. Zum Auftakt begrüßte Hähnlein Staatssekretär David Möller, der den Start der Sportler begleitete.
Insgesamt beteiligten sich 28 Läuferinnen und Läufer am „Heros 100“. Erstmals standen auch Staffeln auf dem Programm: Drei Zweierteams absolvierten jeweils zweimal 50 Kilometer, fünf Viererteams jeweils viermal 25 Kilometer.
Einige Teilnehmer gingen noch deutlich über die 100-Kilometer-Marke hinaus. Steve Wismach legte 140 Kilometer zurück, die Staffel „Blasenjunkies“ kam auf 150 Kilometer. Nicht alle erreichten jedoch ihr persönliches Ziel. Insgesamt fünf Läufer mussten ihren Versuch vorzeitig beenden. Zu ihnen gehörte Patrick Schwanke, der die 100 Kilometer mit einem Einkaufswagen bewältigen und damit ebenfalls einen Weltrekord aufstellen wollte. Nach 81 Kilometern verließen ihn die Kräfte.
Besonders beeindruckt zeigte sich Hähnlein von Jonathan Linke. Der Zwölfjährige aus Marbach war ursprünglich nur gekommen, um seine Mutter Rebecca anzufeuern. Kurzerhand entschied er sich, selbst mitzulaufen – und bewältigte die gesamten 100 Kilometer.
Als „Oberkracher“ bezeichnete Hähnlein seine Mutter Monika. Die 81-Jährige absolvierte trotz einer operierten Hüfte 16 Kilometer. Überdies feuerte sie die Läuferinnen und Läufer an und kochte ihnen in der Nacht Suppe. So machte sie sich bei allen als „Oma Moni“ einen Namen.
Auch mehrere Sportler aus dem Landkreis Sömmerda blieben der Veranstaltung trotz des Ortswechsels treu. Neben Matthias Sack gingen Anne Schmidt und Christoph Ciesla an den Start. Die Bäckerei Bergmann war mit einer Viererstaffel vertreten und kümmerte sich zugleich um die Verpflegung der Teilnehmer. Obst für die Läufer stellte die Metro Erfurt zur Verfügung. Hähnlein dankte außerdem der Familie Knobloch aus Weimar, die für alle Mitstreiter Finisher-Präsente bereitstellte.
Für zusätzliche Motivation sorgte die Agentur „Heldenherz und Königstöchter“. Prinzessin Peach und Prinzessin Daisy feuerten die Läufer an und verbreiteten gute Stimmung. „Ihr Einsatz war sensationell“, sagte Hähnlein.
Wann der nächste „Heros 100“ stattfindet, steht noch nicht fest. Zwei weitere Termine sind jedoch bereits geplant: Am 20. Dezember führt der Weihnachtslauf „Hähnlein & Friends“ vom Thüringen-Park zum Domplatz. Der nächste Heros-Spendenmarsch über 25 und 50 Kilometer rund um Frömmstedt findet am 19. Juni statt.









