Von Sibylle Göbel (Erschienen in der Thüringer Allgemeine, Montag, 29. September 2025)
Weimar/Erfurt. Karsten Knobloch hat es wieder getan: Der 51-jährige Notar aus Weimar bewältigte vor wenigen Tagen zum zweiten Mal den Heros 100-Spendenmarsch, den der Erfurter Jan Hähnlein neben anderen Spendenaktionen seit Jahren organisiert. Karsten Knobloch marschierte binnen 22 Stunden eine 100 Kilometer lange Strecke rund um Erfurt und die Drei Gleichen, um auf diese Weise Spenden für die NCL-Stiftung einzuwerben, die die bislang tödlich verlaufende Kinderdemenz erforscht. Wir sprachen mit ihm:
So ein Nonstop-Marsch ist eine Strapaze, die man nicht so schnell wegsteckt und vergisst. Warum haben Sie trotzdem wieder mitgemacht?
Weil es zum einen immer wieder nötig ist, durch solche besonderen Aktionen auf das Thema Kinderdemenz aufmerksam zu machen. Zum anderen ist es wichtig, dass auch wir als Betroffene uns einbringen und sich nicht nur andere bis zur körperlichen Erschöpfung quälen. Bei mir war es wie im vergangenen Jahr eine Mischung aus Ohnmacht, Verzweiflung und Wut, die mich dazu bewogen hat, mich erneut der Herausforderung zu stellen.
Sie haben selbst eine an NCL erkrankte Tochter. Wie geht es der Elfjährigen im Moment?
Vor zwei Jahren haben Ärzte der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln unserer Tochter neue Medikamente verordnet – mit einem sehr positiven Effekt. Und dieser Effekt hat sich verstetigt. Wir erleben Frieda wesentlich wacher, und sie macht auch große Fortschritte im Umgang mit anderen Kindern. Vor Kurzem hat sie an einer Chorfahrt ihrer Schule samt Übernachtung teilgenommen und hatte dabei riesigen Spaß. Vorher wäre das undenkbar gewesen. Wir sind darüber sehr glücklich und hoffen das Beste für den jährlichen Kontrolltermin in der Spezialambulanz des Uniklinikums Hamburg Eppendorf, der bald ansteht.
Zurück zum Spendenmarsch: Wie lief es für Sie diesmal?
Ich habe es zwar geschafft, bin aber weit über meine Grenzen hinaus gegangen. Die letzten 35 Kilometer waren eine Qual, die letzten 10 Kilometer selbst mit Schmerztabletten kaum zu bewältigen. Sieben Kilometer vorm Ziel war ich kurz davor aufzugeben, weil mein linkes Schienbein nicht mehr mitmachen wollte. Ohne meine grandiosen Mitstreiter, die mich immer wieder motiviert haben, hätte ich das wohl auch getan. So aber humpelte ich, auf Stöcke gestützt, doch noch ins Ziel. Auch jetzt ist ein Knöchel noch dick geschwollen und der Schmerz im Schienbein nicht verschwunden. Deshalb weiß ich: Das war zu viel. In der Form werde ich das wohl nicht noch mal machen können.
Wie fit sind Sie denn in den Marsch gestartet?
Ich hatte leider dieses Jahr beruflich bedingt nicht genügend Zeit für die Vorbereitung. Zusammen mit einigen Heros-Freunden haben wir zwar einige private Märsche gemacht, einen davon sogar über 70 Kilometer. Aber das leider nicht regelmäßig genug, um ausreichend fit zu sein.
So ein Marsch steht und fällt auch mit den Helfern – zum Beispiel an den Verpflegungspunkten.
Ja, da haben die anderen 22 Teilnehmer und ich wieder eine Warmherzigkeit und Solidarität erlebt, die ihresgleichen suchen. Nicht nur, dass Erfurts Oberbürgermeister beim Start dabei war und die ersten Kilometer mitgelaufen ist. An den Versorgungsstationen wurden wir auch mit guter Laune, Musik und besonderen Lichteffekten begrüßt. Eine Überraschung war zudem ein Getränkestand, den ein Teilnehmer früherer Jahre spontan am Kilometer 33 mitten in der Flur aufgebaut hat. Er konnte diesmal nicht mitlaufen, wollte sich aber wenigstens auf diese Weise beteiligen. Es lässt sich kaum in Worte fassen, welch wichtige Stütze das für uns Betroffene ist. Das sind wahre Herzensmenschen!
Wie viel Geld kam durch den Marsch zusammen?
Bis jetzt rund 40.000 Euro. Jan Hähnlein und die Heros-Freunde haben das Ziel, in diesem Jahr durch alle Aktionen zusammen wieder die 100.000-Euro-Marke zu knacken. Ich bin optimistisch, dass das gelingt, aber dafür brauchen wir natürlich noch viel Unterstützung.
Was passiert mit den Spenden?
Sie gehen eins zu eins an die NCL-Stiftung, die das Geld für die weitere Erforschung der Kinderdemenz braucht. Ziel ist es, Möglichkeiten einer kurativen Behandlung zu finden. Denn die Medikamente, die derzeit auf dem Markt sind, können die Krankheit im besten Falle aufhalten. Heilen können sie sie aber noch nicht. Genau deshalb suchen wir weiter händeringend Sponsoren.
Welche Gelegenheiten, den Kampf gegen Kinderdemenz zu unterstützen, gibt es in Thüringen in nächster Zeit?
Kurz vor Weihnachten findet wieder der von Jan Hähnlein organisierte Weihnachtslauf in Erfurt statt, im Juni 2026 folgen dann die normalen Heros-Spendenmärsche über die kürzeren Distanzen. Im Februar gibt es aber auch eine Neuauflage des „Helaufs”, den der VfB Oberweimar organisiert – diesmal mit Strecken über 5 und 10 Kilometer. In diesem Jahr waren allein dabei 10.000 Euro zusammengekommen – eine Wahnsinnssumme. Auch für dieses Engagement sind wir den Organisatoren sehr dankbar.










